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10. August 2010

Beraterschach

Gespeichert unter: News u.Wissenswertes — admin @ 23:49

Bild: Autor: Jacob Köbel: Public Domain , Das Schachzabel Spiel, Oppenheim, 1520 Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cf/De_Schachzabel_Spiel_pic_04.jpg

Bild: Autor: Jacob Köbel: Public Domain , Das Schachzabel Spiel, Oppenheim, 1520 Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/cf/De_Schachzabel_Spiel_pic_04.jpg

von Jörg Osarek

Schach ist das Spiel der Könige und das Spiel der Berater. Bei uns heute zur Figur der Dame umgedeutet, heißt die Figur neben dem König im Persischen Schachspiel heute noch immer Wesir (Vazir / Farsin / Fers “der königliche Berater und Hofstratege”). Die Historie der Beratung von Herrschern geht zurück auf große Namen wie Plinius, Seneca und Tacitus.

Eine wahrhaft ehrwürdige Zunft, in die wir uns als Berater einreihen dürfen. Von den Zugmöglichkeiten (die sich historisch im Lauf der Zeit allerdings deutlich erweitert haben) ist der Wesir (die Dame) die stärkste Figur im Schachspiel. Sie kann in 8 Richtungen beliebig weit ziehen - wie keine andere einzelne Figur. Sie ist flexibel, beweglich und mächtig . Berater kommen im Idealfall mit einem unverbauten und gleichzeitig respektvollen Blick in ein Unternehmen hinein (ohne die berühmte Betriebsblindheit).

Sie können teils so agieren, wie man es eigenen Mitarbeitern nicht zugestehen würde und ermöglichen auf diese Weise Veränderungen, die in der bestehenden Organisation des Kunden bis dato nicht denkbar sind. Berater erschaffen so durch ihre Machtfülle und durch ihre Andersartigkeit einen besonderen Wert für den Auftraggeber, den “König Kunden”.
Doch hier kommen wir an einen wichtigen Punkt. Bücher wie “Beraten und Verkauft” oder “Die große Abzocke” suggerieren, dass alle Unternehmensberater nur auf den Vorteil ihrer Aktionäre schauen und ihre Kunden ausplündern. So bringen sie leider viele hart im Interesse ihrer Kunden arbeitenden Berufskollegen zu Unrecht in Verruf.

Ja, Berater verfügen über viel Macht, denn sie können den König Kunden stark beeinflussen. Schon 1962 hat Stan Lee, der Mit-Erfinder von Spiderman, zu Denken gegeben: “With great power there must also come - - great responsibility!” - “Mit großer Macht muss auch große Verantwortung einhergehen.”

Was können wir als Berater also aus Stan Lees Worten und aus dem Schachspiel lernen?

  • Der Berater (Wesir - die heutige Dame) ist die mächtigste Figur auf dem Spielfeld und trägt daher aufgrund ihrer strategischen Bedeutung eine besondere Verantwortung.
  • Doch das Spiel ist aus, wenn der König besiegt ist, nicht, wenn der Berater fällt.
  • Das Ziel des Spiels ist es, das Spiel für den König zu gewinnen, auch wenn der Berater dabei geopfert werden muss.
  • Der König befehligt alle Figuren - sie handeln auf sein Geheiß - auch der Berater.
  • Ein König Kunde kann sich gleichzeitig durch viele Berater unterstützen lassen und vergrößert so seine Handlungsmöglichkeiten (Der Wandel beim Schach vom Bauern zur Dame / zum Berater).

Als Berater dürfen wir stolz auf unsere Möglichkeiten und unsere Verantwortung sein. Gleichzeitig verpflichtet uns diese Machtfülle zu einer besonderen Sorgfalt und zu nachhaltigem Handeln im Interesse unseres Kunden. Der Berater kann enorm viel für seinen Kunden tun, jedoch geht es am Ende darum, das Kundenziel zu erreichen und nicht das Beraterziel.

Gerade in der heutigen Business-Hektik können wir Berater zu den Ruhepolen werden, an denen ihre Kunden sich orientieren und aufrichten können. Dazu brauchen wir eine auf das Kundenwohl ausgerichtete nachhaltige Einstellung, mit der wir viel Gutes stiften können. Tag für Tag und Jahr für Jahr. Reihen wir uns ein in den Kreis der bedeutsamen historischen Berater und erweisen wir ihnen Ehre durch die Güte unserer Arbeit, indem wir das Spiel für unsere Kunden gewinnen.

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