Krake Paul: der beste Berater der Welt?

Bild: Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f0/Paul_the_Octopus_1.jpg Lizenz: http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en Autor: WM-Behälter_des_Oktopus-Orakels_Paul.JPG: Tilla , Oktopus-Orakel_Paul.JPG: Tilla , derivative work: Mbz1
von Jörg Osarek
Der Hype um Krake Paul in den Tagen der ausgeklungenen WM 2010 ist schon erstaunlich.
Immerhin hat Paul aus dem Sea Life in Oberhausen acht Spiele der WM korrekt getippt. Das ist weit über die zu erwartende Wahrscheinlichkeit hinaus. Inzwischen ist der Oktopus zu einem internationalen Medienstar geworden und alle möglichen Personen und Institutionen haben das Thema aufgenommen. Ist Paul vielleicht der beste Berater der Welt und wir sollten alle auf ihn hören?
Sogar ein führender Softwareanbieter warnt Unternehmen (mit einem Augenzwinkern) vor Krake Paul, vermutlich nicht ganz ohne Hintergedanken, um auf die eigene Business Intelligence Software hinzuweisen. Pauls Vorhersagen treiben noch weitere Stilblüten. So berichtet die Financial Times Deutschland darüber, dass Cambridge-Professor David Spiegelhalter Paul verflucht und sein Lebenswerk im Bereich Wahrscheinlichkeitsberechnungen bedroht sehe.
Soweit so gut zum Schmunzeln. Doch als ich letzte Woche im Auto unterwegs war und in den Börsennachrichten des Senders hr-info hörte, dass die Entscheidungen von Krake Paul die Börsenhändler beeinflusst hätte, konnte ich mich einer gewissen Verblüffung nicht entziehen. An einem Ort, an dem täglich Milliarden gehandelt werden, an dem höchstkomplexe Computersoftware im Einsatz ist, um vernunftbasierte finanzielle Entscheidungen zu treffen, erstellt von unzähligen Programmieren und IT-Architekten auf das Geheiß erfahrener Projektmanager für mächtige Finanzmogule - dort beeinflusst die Frage, welche Muschel eine Krake gefressen hat die Kursentwicklung von Unternehmen? Höchst erstaunlich.
Bei aller Sympathie für Paul stellt sich die Frage: auf welcher Informationsbasis treffen wir wichtige Entscheidungen? Dies ist nicht das finstere Mittelalter, bei dem mit Abrakadabra Krankheiten ausgetrieben werden sollte und intelligente Menschen schnell als Hexen und Hexer denunziert wurden. Wir schreiben das Jahr 2010, sind stolz auf unsere wissenschaftlichen Ansätze, unsere Rationalität und Fortschrittlichkeit - und lassen uns von einem Kraken-Orakel beeinflussen? Als Berater mit ein paar Jährchen Praxiserfahrung im Kundenumfeld bin ich ein großer Freund von Entscheidungen, die sowohl auf Fakten als auch auf dem eigenen Bauch basieren, da unser Unterbewußtsein zusätzlich eine Unmenge weiterer Informations-Nuancen einbezieht. Dieses Vorgehen führt häufig zu guten, ausgewogenen Entscheidungen.
Gleichzeitig habe ich den Eindruck - und der Krake-Paul-Hype ist nur ein Beispiel dafür - dass viele ökonomischen Entscheidungen erstaunlich irrational gefällt werden. Das bringt mich zum Gedanken: Wie stark könnten wir unseren persönlichen Erfolg und zusammenhängend unser Wirtschaftswachstum positiv beeinflussen, wenn uns wir bei wichtigen Entscheidungen intensiver als üblich um eine qualitativ hochwertige Entscheidungsgrundlage bemühen, die sowohl Fakten als auch Emotionen ausgewogen einbezieht?
Tipps zur Vertiefung:
www.entscheiderblog.de von Kai-Jürgen Lietz
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Gut entscheiden - mit Herz und Verstand von Kuno Jungkind


