Was bedeutet Qualität?
von Qualitätsexperte Torsten Zimmermann
Erstmaliges Erscheinen: Premium-Ausgabe von Beraterzeitung.de Q4.2009 31.12.2009
Oft beschäftigen wir uns mit dem Qualitätsbegriff, ohne dass wir es merken, und treffen auf dieser Basis täglich Entscheidungen in beruflichen und privaten Bereichen. Dennoch sind wir oft nicht in der Lage zu erklären, was Qualität bedeutet. Woran liegt das? Und: Wie kann man einen bewussten Umgang mit dem Qualitätsbegriff entwickeln?
Tagtäglich treffen wir Entscheidungen auf der Basis von Qualitätsbetrachtungen. Ich behaupte sogar, dass Sie dies mehrfach am Tag - ja vielleicht gar pro Stunde - tun. Bei Entscheidungen im Büro, wenn Sie vielleicht zwischen zwei oder drei Alternativen die „beste“ Option wählen. Beim Einkaufen von Nahrungsmitteln oder Konsumgütern. Bei der Wahl des für Sie optimalen Weges zur Arbeitsstelle beziehungsweise in das Büro. Oder wie jetzt in der Weihnachtszeit, bei der Auswahl der Geschenke, welche Sie Ihren Liebsten kaufen. Der Qualitätsbegriff ist allgegenwärtig. Und Sie wenden ihn ständig an, vielleicht ohne dass es Ihnen überhaupt bewusst ist.
Doch wie interessant ist es dann, wenn man versuchen möchte, den Qualitätsbegriff zu erklären und präzise zu beschreiben. Trotz seiner ständigen Verwendung fällt es schwer, ihn in die „richtigen“ Worte zu fassen. Oft findet man sich, ehe man sich versieht, in einem komplexen Satzkonstrukt mit mehreren Neben- und Relativsätzen wieder: Es scheint wohl nicht ganz so einfach zu sein, in einem kurzen, einfachen Satz den Qualitätsgedanken zu erläutern. Vielleicht liegt es nur an einem selbst, möchte man meinen? Dann fragen Sie doch einfach einmal Ihren Kollegen! - Ich vermute aber, dieser wird sich ähnlich schwer damit tun.
Eine kleine Recherche…
Eventuell ist es ja hilfreich, gängige Qualitätsnormen oder Nachschlagewerke zu konsultieren, um geeignete Antworten zu finden?
Die Wikipedia erklärt den Qualitätsbegriff wie folgt:
„Qualität ist die Bezeichnung einer potentiell wahrnehmbaren Zustandsform von Systemen und ihrer Merkmale, welche in einem bestimmten Zeitintervall anhand bestimmter Eigenschaften des Systems in diesem Zustand definiert werden.“
Die ISO 9001 schreibt hierzu:
„Qualität wird als Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale Anforderungen erfüllt, definiert.“
„Inhärent“ bedeutet hierbei, dass - neben der reinen Zuordnung zwischen Merkmalen und Anforderungen - auch der Betrag basierend auf einer Einheit, wie etwa Meter für das Produktmerkmal Länge beziehungsweise Breite oder beispielsweise Kilogramm für das Merkmal Gewicht, definiert sein muss.
Das Thema lässt sich leider noch nicht besser greifen. Es fällt schwer, ausgehend von diesen Erläuterungen Qualitätskriterien abzuleiten. Es stellt sich noch immer die Frage: Wie komme ich über diese Leitsätze zur Praxis oder konkreten Anwendung?
ISO/IEC 9126 (25000)
Den Weg zum praktischen Umgang mit dem Qualitätsbegriff zu finden mag mithilfe der ISO/IEC 9126 beziehungsweise 25000 gelingen: Sie beschreibt allgemein die Qualitätskriterien von Produkten (siehe hierzu auch den Infokasten).

Bild 1: Die Qualitätsmerkmale nach ISO/IEC 9126 (25000)
Bild 1 zeigt beispielhaft mögliche Ausprägungen der einzelnen Qualitätskriterien, welche sich in die Bereiche Funktionalität, Zuverlässigkeit, Benutzbarkeit, Effizienz, Wartbarkeit und Übertragbarkeit strukturieren lassen. Die verschiedenen Höhen der einzelnen Segmente sollen den Grad der Bedeutung eines Qualitätsmerkmals in Bezug auf alle Merkmale darstellen. Je höher ein Segment, umso wichtiger ist es also innerhalb der Qualitätsbetrachtung eines Produktes. Zumindest wurde das Maß der Bedeutung so festgelegt. Je nach angewandtem Qualitätsverständnis sind jedoch die Bezugspunkte, von denen ausgehend die Wichtigkeit einzelner Qualitätskriterien bestimmt wird, verschieden. Hierzu möchte ich im nächsten Kapitel noch einiges erläutern. Dennoch sei schon an dieser Stelle erwähnt, dass insbesondere bei einem produkt- oder kundenbezogenen Qualitätsverständnis diese Norm das Qualitätsmanagement sehr gut unterstützt. Selbstverständlich sind auch die einzelnen Ausprägungen von Produkt zu Produkt unterschiedlich. Es gibt also keine „goldene Regel“, nach der sinnvollerweise die Ausprägungen definiert werden, wie zum Beispiel: „Die Bereiche Wartbarkeit und Übertragbarkeit sind stets gleich bedeutend zu behandeln“ o. ä. Neben dem Qualitätsverständnis selbst beeinflussen auch Faktoren wie Märkte, Marktsegmente, Umwelt, Unternehmens- und Produktimage die relative Bedeutung einzelner Qualitätsmerkmale in Bezug auf alle Produktkriterien.
Die Qualitätsgrundsätze nach Garvin
Ich möchte noch einen Schritt weiter gehen und auf der Basis des Qualitätsverständnisses zeigen, wie dieses den Qualitätsbegriff selbst beeinflusst. Das heißt, der Qualitätsbegriff ist dementsprechend unterschiedlich ausprägt. Dies soll anhand der Auffassung von David A. Garvin dargestellt werden, welcher zwischen fünf verschiedenen Sichtweisen unterscheidet.
Das transzendente Qualitätsverständnis
Das transzendente Qualitätsverständnis entspricht der umgangssprachlichen Sicht von Qualität. Demnach ist Qualität eine subjektive Erfahrung einer Person hinsichtlich der besonderen, einzigartigen Eigenschaften eines Produktes oder einer Dienstleistung. Qualität kann dabei weder gemessen noch konkretisiert werden, genauso wenig wie der Begriff „Schönheit“ allgemein definiert werden kann. In der Wissenschaft wird dieser Ansatz kaum beachtet.
Das produktbezogene Qualitätsverständnis
Diese Qualitätsbetrachtung beschäftigt sich mit der produktbezogenen Sichtweise: Hierbei ergibt sich die Qualität eines Produktes aus der Erfüllung von allgemein festgelegten Anforderungen. Zum Beispiel könnte bei LCD-Fernsehern die Auflösung ein Qualitätskriterium sein, bei dem die Regel gilt: Je höher die Auflösung, umso mehr Details vermag prinzipiell das Display-Modul anzuzeigen. Jedoch spielen in Bezug auf die Darstellungsqualität natürlich noch andere technische Faktoren eine Rolle, wie beispielsweise die Bildwiederholfrequenz etc. (es soll hier nur das Prinzip verdeutlicht werden). Wichtig ist hierbei, dass das Produkt selbst im Fokus steht und nach allgemeinen Qualitätskriterien auf Basis der zuvor definierten Anforderungen untersucht wird. Dies könnte zum Beispiel unter Einbeziehung der ISO/IEC 9126 (25000) geschehen. Die Ausprägung und Intensität der einzelnen zu prüfenden Qualitätsmerkmale können den Anforderungen entsprechend variieren (siehe Bild 2). Bei diesem Qualitätsverständnis werden jedoch keine Kundenbedürfnisse oder äußere Einflüsse berücksichtigt.

Bild 2: Detailansicht der Qualitätsmerkmale mit unterschiedlichen Ausprägungen
Das kundenbezogene Qualitätsverständnis
Das kundenbezogene Qualitätsverständnis definiert Qualität als die perfekte Realisierung aller Kundenanforderungen an ein Produkt. Die Qualitätsdefinition der ISO 9000 folgt vor allem diesen Ansatz. Die Qualitätskriterien aus der ISO/IEC 9126 unterstützen sehr gut diese Qualitätssicht: Bild 3 veranschaulicht visuell, wie die ermittelten Produktqualitäten mit dem Kundenerwartungshorizont verglichen werden. Das Übererfüllen von Produkteigenschaften in Bezug zum Kundenerwartungshorizont ist grün markiert (hier: Richtigkeit), während Produktschwächen bezogen auf die Erwartungen rot dargestellt sind (hier: Stabilität, Zeitverhalten und Ordnungsmäßigkeit). Das Fehlen von Merkmalen (fehlende Umsetzung einer Kundenforderung) wirkt sich demnach negativ auf die Produktqualität aus.

Bild 3: Vergleich der Produktqualitäten mit den Kundenerwartungen auf Basis der ISO/IEC 9126 (25000)
Eine wichtige Erkenntnis ist hierbei, dass die Zugabe weiterer Merkmale oder eine qualitative Verbesserung von Produktqualitäten, welche vom Kunden nicht gewünscht oder gefordert sind, die Qualität nicht positiv beeinflussen: Sie sind für den Kunden nutzlos. In diesem Sinne kann keine „Kompensation“ zwischen Produktstärken und -schwächen erfolgen (siehe Bild 4).

Bild 4: Produktschwächen (rot) können nicht durch Übererfüllung einzelner Kriterien (grün) ausgeglichen werden.
Ein Problem dieses Ansatzes liegt in der vollständigen Identifikation der Kundenforderungen begründet. Während explizite Anforderungen dem Kunden bewusst sind, müssen implizite (unbewusste) Anforderungen durch geeignete Methoden „aus einer Person extrahiert“ werden. So könnte beispielsweise eine dem Kunden unbewusste Anforderung das Prestige eines Kraftfahrzeuges sein, das durch den Kauf erworben wird. Die Identifikation von Anforderungen und deren Realisierung in Produkten erfolgt durch das Forschungsgebiet des Marketing bzw. der Marktforschung. Da die Anforderungen von Personen unterschiedlich ausfallen können, kann kein Produkt mit absoluter Qualität existieren. Vielmehr kann die Qualität eines Produktes durch eine Person als positiv und durch eine andere als negativ bewertet werden. So besitzen beispielsweise Supersportwagen durch die Eigenschaft der Vermittlung des sozialen Status des Besitzers für einige Menschen eine hohe Qualität. Umweltbewusste Konsumenten hingegen werden die Qualitätsmerkmale wegen der ungünstigen CO2-Bilanz anders bewerten.
Das wertorientierte Qualitätsverständnis
Das wertorientierte Qualitätsverständnis fokussiert auf die Kosten-Nutzen-Relation. Nach dieser Sichtweise liegt ein Qualitätsprodukt genau dann vor, wenn ein Produkt hinsichtlich der realisierten Merkmale zu einem angemessenen Preis erworben werden kann. Diese Sicht wird gerne Produkttests von Zeitschriften zugrunde gelegt und erfolgt in Kategorien wie „Preis-/Leistungssieger“ etc. Allerdings muss bei dieser Betrachtung die Relevanz der Merkmale eines Produktes für den Kunden beachtet werden, wie dies bei dem kundenbezogenen Qualitätsverständnis geschieht. Ein höherer Preis ist für den Kunden nicht durch weitere - aber auch „nutzlose“ - Produktmerkmale zu rechtfertigen. Hierbei stellt sich jedoch die Frage, wie „nutzlos“ zu definieren ist.
Das fertigungsbezogene Qualitätsverständnis
Das fertigungsbezogene Qualitätsverständnis beschäftigt sich mit der Erfüllung von Zeichnungsangaben, Vereinbarungen und Normen. Am Ende steht als Bestätigung für die Erfüllung der betreffenden Qualitätskriterien ein Zertifikat, welches entweder den Fokus auf technische Normen oder prozessrelevante Anforderungen legt. Die ISO/IEC 9126 (25000) erlaubt hierzu in allen sechs Bereichen, „Compliant“- beziehungsweise „Conformance“-Merkmale zu definieren, welche hierfür vorgesehen werden können.
Qualität setzt sich stets durch!
Ich selbst habe mir - neben den Normen und Regularien - relativ einfache Leitsätze angeeignet, welche mir bei der täglichen Arbeit helfen, die richtigen Entscheidungen hinsichtlich Qualität zu treffen, also das richtige Qualitätsverständnis für mich zu entwickeln. „Qualität setzt sich stets durch!“, ist einer von zwei Leitsätzen, der zugleich zu meinem Leitmotiv wurde. So einfach dieser Satz auf den ersten Blick wirkt, er hat es in sich und brachte mich schon oft zum Nachdenken. So gelangte ich zu weiteren Erkenntnissen, wie zum Beispiel:
- Qualität ist relativ und nicht absolut definiert: Verschiedene Personen werden Produkte, Dienstleistungen, Unternehmen etc. unterschiedlich bewerten. Gibt es mehr Alternativen als Individuen, so bestimmt jedes Individuum dabei „seine“ beste Alternative, welche sich von der Wahl der anderen unterscheidet.
- Gibt es weniger Alternativen als Individuen, so erhält diejenige Option die meisten Stimmen, deren Qualitätskriterien am ehesten allen Erwartungen entsprechen.
- Qualität ist allgegenwärtig: Qualität lässt sich nicht „an- und abschalten“. Es gibt keinen Bereich, welcher sich von der Qualitätsbetrachtung abgrenzen kann.
- Die Berücksichtigung oder Nicht-Berücksichtigung von Qualitätskriterien innerhalb eines Unternehmens führt unmittelbar zum Erfolg beziehungsweise Misserfolg.
- Qualität kann nur nachhaltig realisiert werden. „Schnelle“ Qualitätserfolge gibt es nicht wirklich. Diese „schnellen Erfolge“ sind in der Regel damit erkauft, dass an anderer Stelle in Bezug auf Qualitätsthemen gespart wurde und in den betreffenden Bereichen folglich neue Qualitätsprobleme auftauchen: Man hat dann also die „alten“ Probleme durch „neue“ ersetzt, ist aber letztlich keinen Schritt weiter in Richtung „bessere Qualität“.
- Anstrengungen in Qualitätsthemen zahlen sich für das Unternehmen immer aus! Demzufolge lässt ein Mitarbeiter allein durch die Frage, ob sich die Aufwendungen des betreffenden Qualitätsprojektes rechnen, erkennen, dass er wenig Erfahrung im Bereich Qualitätsmanagement hat.
Qualität ist die Summe aller Eigenschaften
Eine weitere wichtige Dimension wird durch oben stehenden Satz beschrieben. Das Original lautet hierzu: Die Produktqualität ist (definiert durch) die Summe aller seiner Eigenschaften. Ich habe diesen bekannten Satz auf das Wesentliche verkürzt und dabei um die Bereiche Dienstleistungen, Unternehmen etc. nicht abgegrenzt: Qualität ist die Summe aller Eigenschaften. Denn egal, ob Produkt, Dienstleistung oder Unternehmen, dieser Leitsatz kann und sollte immer zur Anwendung kommen. Er soll daran erinnern, bei Qualitätsbetrachtungen nicht nur auf einen Teilbereich zu fokussieren. Es macht nur Sinn, alle Kriterien im Qualitätsmanagement zu berücksichtigen. Bei der Erläuterung des kundenbezogenen Qualitätsverständnisses wurde schon deutlich, dass beispielsweise Produktschwächen nicht durch Stärken in anderen Bereichen ausgeglichen werden können. Dies gilt auch für Dienstleistungen oder Unternehmen. So sind zum Beispiel im Unternehmensumfeld die Nichteinhaltung von buchhalterischen Anforderungen nicht mit Umsatzsteigerungen zu entschuldigen. Selbstverständlich muss das Unternehmen - ungeachtet der Vertriebserfolge - eine korrekte Buchhaltung vorweisen.
Das Total-Quality-Management
Während Qualität früher traditionell als eine Eigenschaft von Produkten oder Dienstleistungen verstanden wurde, also die Erfordernisse der Kunden im Vordergrund standen, erstreckt sich der Qualitätsbegriff im Rahmen von Total-Quality-Konzepten, wie dem Total-Quality-Management (TQM) als umfassender Variante des Qualitätsmanagements, über gesamte Unternehmen. Neben die Kundenanforderungen treten die Anforderungen von Mitarbeitern, Kapitalgebern und Öffentlichkeit (rechtliche Anforderungen), an deren Erfüllung insgesamt sich die umfassende Qualität eines Unternehmens („Total Quality“) misst.
Zu den wesentlichen Prinzipien der TQM-Philosophie zählen:
- Qualität orientiert sich am Kunden,
- Qualität wird mit Mitarbeitern aller Bereiche und Ebenen erzielt,
- Qualität umfasst mehrere Dimensionen, die durch Kriterien operationalisiert werden müssen,
- Qualität ist kein Ziel, sondern ein Prozess, der nie zu Ende geht,
- Qualität bezieht sich nicht nur auf Produkte, sondern auch auf Dienstleistungen,
- Qualität setzt aktives Handeln voraus und muss erarbeitet werden.
Immer wieder wird nach dem Sinn und Nutzen hochentwickelter Qualitätsmanagement-Systeme gefragt. Ist es denn tatsächlich möglich, dass sich die Mehraufwendungen eines Qualitätsmanagement-Systems, welche ja neben den Einführungs- auch Folgekosten bezüglich kontinuierlicher Verbesserungen umfassen, wirklich rechnen?
Meiner Meinung nach lieferte hierzu die Langzeitstudie aus dem Jahr 2000 von Vinod Singhal vom Georgia Institute of Technology und Kevin Hendricks von der University of Western Ontario den bislang überzeugendsten Nachweis, in der die Leistung von beinahe 600 Gewinnern von Qualitätspreisen fünf Jahre lang verfolgt wurde. Das Ergebnis: Der Aktienpreis der Gewinner lag um 44 %, der Betriebsertrag um 48 % und der Umsatz um 37 % höher als in der Vergleichsgruppe.
| INFOKASTEN zu ISO/IEC 9126 (25000) |
| In der DIN-Norm DIN 66272 waren Qualitätsmerkmale für Software festgelegt. Sie wurde letztmalig im Oktober 1994 aktualisiert. Die IEC entwickelte die 9126, welche heute offiziell als ISO/IEC 9126 bezeichnet wird. Dabei sind die Hauptqualitätsmerkmale zwischen der DIN 66272 und der ISO/IEC 9126 identisch. Die DIN nahm ihre Norm 66252 zugunsten der IEC 9126 im Jahre 2006 ersatzlos zurück. Die Norm ISO/IEC 9126 stellt eins von vielen Modellen dar, um Softwarequalität sicherzustellen. Es bezieht sich ausschließlich auf die Produktqualität und nicht auf die Prozessqualität. Die besagte ISO/IEC-Norm ist mittlerweile in der Norm ISO/IEC 25000 aufgegangen und wird durch die neue Norm ersetzt. Folgende Qualitätsmerkmale werden aufgeführt (Teilmerkmale werden im Anhang der Norm nur als Vorschläge aufgeführt): Funktionalität (Functionality): Inwieweit besitzt die Software die geforderten Funktionen? - Vorhandensein von Funktionen mit festgelegten Eigenschaften. Diese Funktionen erfüllen die definierten Anforderungen. - Angemessenheit (Suitability): Eignung von Funktionen für spezifizierte Aufgaben, z. B. aufgabenorientierte Zusammensetzung von Funktionen aus Teilfunktionen. - Richtigkeit (Accuracy): Liefern der richtigen oder vereinbarten Ergebnisse oder Wirkungen, z. B. die benötigte Genauigkeit von berechneten Werten. - Interoperabilität (Interoperability): Fähigkeit, mit vorgegebenen Systemen zusammen zu wirken. - Sicherheit (Security): Fähigkeit, unberechtigten Zugriff, sowohl versehentlich als auch vorsätzlich, auf Programme und Daten zu verhindern. - Ordnungsmäßigkeit (Compliance): Merkmale von Software, die bewirken, dass die Software anwendungsspezifische Normen oder Vereinbarungen oder gesetzliche Bestimmungen und ähnliche Vorschriften erfüllt. Zuverlässigkeit (Reliability): Kann die Software ein bestimmtes Leistungsniveau unter bestimmten Bedingungen über einen bestimmten Zeitraum aufrecht erhalten? - Fähigkeit der Software, ihr Leistungsniveau unter festgelegten Bedingungen über einen festgelegten Zeitraum zu bewahren. - Reife (Maturity): Geringe Versagenshäufigkeit durch Fehlerzustände. - Fehlertoleranz (Fault Tolerance): Fähigkeit, ein spezifiziertes Leistungsniveau bei Software-Fehlern oder Nicht-Einhaltung ihrer spezifizierten Schnittstelle zu bewahren. - Wiederherstellbarkeit (Recoverability): Fähigkeit, bei einem Versagen das Leistungsniveau wiederherzustellen und die direkt betroffenen Daten wiederzugewinnen. Zu berücksichtigen sind die dafür benötigte Zeit und der benötigte Aufwand. Benutzbarkeit (Usability): Welchen Aufwand fordert der Einsatz der Software von den Benutzern und wie wird er von diesen beurteilt? - Aufwand, der zur Benutzung erforderlich ist, und individuelle Beurteilung der Benutzung durch eine festgelegte oder vorausgesetzte Benutzergruppe. - Verständlichkeit (Understandability): Aufwand für den Benutzer, das Konzept und die Anwendung zu verstehen. - Erlernbarkeit (Learnability): Aufwand für den Benutzer, die Anwendung zu erlernen (z. B. Bedienung, Ein-, Ausgabe). - Bedienbarkeit (Operability): Aufwand für den Benutzer, die Anwendung zu bedienen. Effizienz (Efficiency): Wie liegt das Verhältnis zwischen Leistungsniveau der Software und eingesetzten Betriebsmitteln? - Verhältnis zwischen dem Leistungsniveau der Software und dem Umfang der eingesetzten Betriebsmittel unter festgelegten Bedingungen. - Zeitverhalten (Time Behaviour): Antwort- und Verarbeitungszeiten sowie Durchsatz bei der Funktionsausführung. - Verbrauchsverhalten (Resource Behaviour): Anzahl und Dauer der benötigten Betriebsmittel bei der Erfüllung der Funktionen. Ressourcenverbrauch, wie CPU-Zeit, Festplattenzugriffe usw. Änderbarkeit (Maintainability): Welchen Aufwand erfordert die Durchführung vorgegebener Änderungen an der Software? - Aufwand, der zur Durchführung vorgegebener Änderungen notwendig ist. Änderungen können Korrekturen, Verbesserungen oder Anpassungen an Änderungen der Umgebung, der Anforderungen oder der funktionalen Spezifikationen einschließen. - Analysierbarkeit (Analyzability): Aufwand, um Mängel oder Ursachen von Versagen zu diagnostizieren oder um änderungsbedürftige Teile zu bestimmen. - Modifizierbarkeit (Changeability): Aufwand zur Ausführung von Verbesserungen, zur Fehlerbeseitigung oder Anpassung an Umgebungsänderungen. - Stabilität (Stability): Wahrscheinlichkeit des Auftretens unerwarteter Wirkungen von Änderungen. - Testbarkeit (Testability): Aufwand, der zur Prüfung der geänderten Software notwendig ist. Übertragbarkeit (Portability): Wie leicht lässt sich die Software in eine andere Umgebung übertragen? - Eignung der Software, von der Umgebung in eine andere übertragen werden zu können. Umgebung kann organisatorische Umgebung, Hardware- oder Software-Umgebung sein. - Anpassbarkeit (Adaptability): Fähigkeit der Software, diese an verschiedene Umgebungen anzupassen. - Installierbarkeit (Installability): Aufwand, der zum Installieren der Software in einer festgelegten Umgebung notwendig ist. - Austauschbarkeit (Replaceability): Möglichkeit, diese Software anstelle einer spezifizierten anderen in der Umgebung jener Software zu verwenden, sowie der dafür notwendige Aufwand. - Konformität (Conformance): Grad, in dem die Software Normen oder Vereinbarungen zur Übertragbarkeit erfüllt. |
Über Torsten Zimmermann
Nach seinen vollendeten Studium als Diplom Wirtschaftsinformatiker begann Torsten Zimmermann 1993 mit seiner beruflichen Karriere. Seit 1995 beschäftigt er sich im Rahmen international angelegter Projekte bei verschiedenen Unternehmen wie (u.a.) BMW, Daimler, Hewlett-Packard, Hoffmann-La Roche und Logica mit den Themen Software-Qualität und Test-Management.
Im Rahmen seiner Arbeiten entwickelte er (u.a.) den risikobasierten Testansatz, welcher im Fachmagazin “QZ” vorgestellt wurde und heute sich als Basiswissen in der Software-Qualtätssicherung etabliert hat. Weitere Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Qualitäts-Management-Praxis führten zu dem T1 TFT (Test Framework Technologies, 2001), welche der Beginn einer neuen Generation von Testsystemen begründete.
Heute entwickelt Torsten Zimmermann neue Ansätze für leistungsfähigere Testkonzepte und -Frameworks, wie dem T2 TFT (2004) und dem T3 TFT (2006). In Kooperation mit einem Netzwerk aus Hochschulen und Universitäten entstehen hierbei neuartige Lösungen im Bereich regel- und modellbasierter Testsysteme. Als Referent auf Kongressen und Fachautor präsentiert er regelmäßig seine Erfahrungen, Ergebnisse und Konzepte in zahlreichen Vorträgen und Fachartikeln auf nationaler wie auch internationaler Ebene.
Weitere Informationen unter: http://www.xing.com/profile/Torsten_Zimmermann2


