14. Dezember 2009

Deutschland 2020 - was kommt auf uns zu? - TV-Sendung Wartburg-Gespräche am 15.12.2009

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von Jörg Osarek

Dieser Artikel weist auf die Dezember-Sendung der Wartburg Gespräche des Senders ERF hin.
Daten zum Empfang der Sendung finden Sie am Schluss des Artikels.

Daten zur Sendung:
Sender: ERF (www.erf.de)
Ausstrahlung am: Di. 15.12.2009 22:00h
Wartburg-Gespräche
Deutschland 2020: Was kommt auf uns zu?
Wie sieht die Welt in 10 Jahren aus? Jürgen Werth und seine Gäste wagen Blick voraus.


Talk-Gäste bei dieser Sendung:

Dr. Christoph Böhr, Jahrgang 1954, ist Lehrbeauftragter und Gastdozent an mehreren deutschen und ausländischen Hochschulen. Er war 22 Jahre lang Landtagsabgeordneter in Rheinland-Pfalz, Fraktionsvorsitzender und Landesvorsitzender der dortigen CDU, stellvertretender Vorsitzender der CDU Deutschlands und von der Gründung 1999 bis zur Auflösung 2006 Vorsitzender deren Wertekommission.

Margit Fleckenstein, Jahrgang 1940, ist Rechtsanwältin und vereidigte Buchprüferin. Sie gehört seit 1992 der Landessynode der Evangelischen Landeskirche in Baden an und ist seit 1996 deren Präsidentin. Seit 1997 ist sie Mitglied des Rates der EKD und seit 2003 Mitglied der EKD-Synode. Ihr geht es um das Verhältnis der Generationen zueinander, den Zustand der Familien, die alternde
Gesellschaft, die Wertevermittlung und die Sinn- und Identitätsfindung für den Einzelnen.

Jörg Osarek, Jahrgang 1970, beschäftigt sich als IT- und Unternehmensberater, Fachautor und Referent mit den Auswirkungen neuer Technologien auf die Zukunft und hält es für möglich, aus Entwicklungen der letzten Jahrzehnte Schlussfolgerungen für die Zukunft zu ziehen. Er war auf Gemeindeebene im CVJM sowie im Kirchenvorstand aktiv.

Dr. Martin Rieger, Jahrgang 1967, ist Direktor des Programms Geistige Orientierung bei der Bertelsmann-Stiftung und leitet dort das Projekt „Die Rolle der Religion in der modernen Gesellschaft“. Unter seiner Federführung veröffentlicht die Bertelsmann-Stiftung den “Religionsmonitor”, der die Verbreitung von Glauben und Religiosität in der deutschen Bevölkerung untersucht. Mit Hilfe solcher Daten werden Zukunftsperspektiven des Christentums analysiert sowie Konzepte und Handlungsstrategien entwickelt.

Jürgen Werth, Jahrgang 1951, leitet seit 1994 als Direktor den Evangeliums-Rundfunk, ist seit 2007 Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz und zudem als Autor und Liedermacher tätig – sowie als Ihr Moderator bei den Wartburg-Gesprächen.

Einschätzung von Jörg Osarek zum Thema der Sendung:

Um die Frage zu beantworten, “wie sieht die Welt 2020 Jahren aus”, halte ich es für sinnvoll, etwas weiter in die Zukunft zu schauen, sagen wir etwa 100 Jahre.

Ich habe keine Kristallkugel und kann die Zukunft nicht voraussagen. Zusätzlich erschwert wird das prophetische Geschäft dadurch, dass völlig unerwartete Ereignisse, die Nassim Taleb als “schwarze Schwäne” bezeichnet einen starken Einfluss auf unsere Zukunft haben ( http://www.amazon.de/dp/3446415688/ ). Denoch ist es möglich, aus einer Reihe von Entwicklungen der letzten Jahrzehnte Schlussfolgerungen für die Zukunft zu ziehen. Und mit diesen in die Zukunft extrapolierten Entwicklungen glaube ich, dass sich die menschliche Gesellschaft in den nächsten 100 Jahren in unvorstellbaren Dimensionen verändern wird. Ich vermute, die nächsten zehn Jahre wird sich nicht so viel relevantes verändern, auch wenn ich viele Umwälzungen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich erwarte. Doch da wir in den nächsten 10 Jahren maßgeblich die Richtung für die nächsten 100 Jahre vorgeben, halte ich diese Zeit für enorm wichtig.

10 Jahre sind nicht lang. Wir werden in der Gesellschaft leben, für die wir die letzten zwanzig Jahre die Grundlagen gelegt haben und für die wir heute weitere Grundlagen legen. Ich gehe wiegesagt davon aus, dass sich innerhalb eines Jahrhunderts sehr viel ändert in den Bereichen Medizin, Bio- und Gentechnologie, Nanotechnologie, Informationstechnologie inklusive der Schaffung echter künstlicher Intelligenz, die der menschlichen weit überlegen sein wird und im Bereich Quantenphysik und eventuell Quantentechnologie, welche uns ganz neue Möglichkeiten wie z.B. Quantencomputing eröffnen könnte.

Aufgrund dieser Entwicklungen halte ich es für enorm wichtig, dass wir in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren den Gesamt-Intellekt unserer Gesellschaft deutlich weiter entwickeln, da wir gemeinsam ganz neue ethische und gesellschaftliche Fragen auf konstruktive und fortschrittliche Weise, vor Allem aber unterfüttert durch eine breite Kompetenz, diskutieren und beantworten müssen. Ob die deutsche Gesellschaft diesen Veränderungsprozess nun aktiv wahrnimmt, oder nicht: er ist in der Welt nicht aufzuhalten, wir können ihn jedoch mitgestalten und Spielregeln für Deutschland und Europa vorgeben und in der restlichen Welt Einfluss auf die Entwicklung nehmen.

Dieses gemeinsame Gestalten kann nicht funktionieren in einer Gesellschaft, die durch sinnlose Fernsehshows (Bloßstellungs-Talkshows oder Banal-Gewinn-Shows) hypnotisiert wird und ihr Leben wie in Tance verbringt. Es gilt, die Menschen aufzuwecken und zu ermutigen, selbst aktiv zu werden und ihr Leben selbst wieder in die Hand zu nehmen.

Dazu brauchen wir auch in den Schulen bzw. schulbegleitend Elemente der Persönlichkeitsentwicklung, die den Schülern aufzeigen, dass jeder in unserer Gesellschaft alles erreichen kann, was er wirklich will und welche Bausteine zum persönlichen beruflichen, privaten, gesundheitlichen und finanziellen Erfolg führen. Darüberhinaus muss diese Begleitung die Schüler ermutigen, das Selbstvertrauen zu entwickeln, um aus ihren Träumen auch Ziele abzuleiten und den Weg hin zu diesen Zielen zu beschreiten. Auf dieser Grundlage sollten die jungen Menschen besser in der Lage sein, aktiv die Gesellschaft zu bauen, die sie sich wünschen.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich halte unser Schulsystem für gut. Doch glaube ich, die neuen Herausforderungen unserer modernen Zeit machen es erforderlich, das System weiterzuentwickeln. Daher kritisiere ich nicht einfach, sondern suche derzeit aktiv nach Wegen, diese zusätzlichen Themen der Persönlichkeitsentwicklung in Reflektion unserer globalisierten Welt zu gestalten und jungen Menschen nahe zu bringen, damit diese sich selbst besser orientieren können. Zu diesem Zweck habe ich die Initiative www.adlerschule.de ins Leben gerufen, welche sich zum Ziel gesetzt hat, Persönlichkeitsentwicklung in Deutschland in den Schul- und Bildungsstandard unserer Kinder zu integrieren. Mal sehen, was alles dazu erforderlich ist, um ein neues ordentliches Lehrfach in die deutsche Schullandschaft aufzunehmen. Jedenfalls bin ich überzeugt davon, dass wir so etwas brauchen.

Und mit diesen aus der Hypnose erwachten Menschen können wir gemeinsam die gesellschaftliche Diskussion in zehn Jahren führen, die wir für die darauffolgenden Dekaden benötigen werden.

Wenn uns dies gelingt, werden wir in zehn Jahren in einer besseren Gesellschaft leben, die den wachsenden Anforderungen und der weiter steigenden Komplexität kompetent gegenübersteht und angemessene Entscheidungen treffen kann. Dies wäre die Basis für das erfolgreichere Gestalten der eigenen Zukunft. Gelingt uns dies nicht, werden Menschen, die weniger kompetent sind als heute Problemen gegenüberstehen, die wesentlich anspruchsvoller sind als heute und es wird uns nicht möglich sein, unseren gesellschaftlichen Kurs selbst zu setzen sondern wir werden ein Spielball der Mächte um uns herum sein und nicht in der Lage, ernsthaften Einfluss auf immer größere Veränderungen zu nehmen.

Daten zum Sender ERF:

ERF im Internet:
www.erf.de

Die Sendung wird um den 15.12.2009 herum auf folgender Seite zu finden sein:
http://www.erf.de/4933-Wartburg_Gespraeche.html?reset=1

ERF eins über Satellit (DVB-S)
Wird über den Satelliten ASTRA digital abgestrahlt.

Frequenz: 12,460 GHz
Polarisation: horizontal / Symbolrate: 27.500, FEC: 3/4
Video-PID: 511, PCR-PID: 511
Audio-PID: 512 (ERF Fernsehen)
Audio-PID: 513 (ERF Radio) / Audio-PID: 514 (Life Channel)

Kabel digital in 13 Bundesländern
www.kabeldeutschland.de

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