Schätzen Sie Ihre ganz persönlichen Wissensressourcen
von Sigrid Hauer
Wissen bedeutet nicht nur Macht. Wissen ist für das menschliche Zusammenleben sehr wichtig. Denn individuelle Beziehungen beruhen grundsätzlich darauf, dass Menschen etwas voneinander wissen. Daher waren Menschen schon immer daran interessiert, Wissen zu sammeln. So gab es in vielen Gesellschaftsformen Personen oder Gruppen, die über hochkomplexes Wissen verfügten: zum Beispiel im alten Ägypten, im antiken Griechenland oder auch bei den Maya-Völkern. In diesen Gesellschaften haben gebildete Mönche, Handwerker, Mediziner und Gelehrte über Jahrhunderte hinweg spezifisches Wissen gesammelt und gezielt weitergegeben.
Wir leben heute in einer Wissensgesellschaft. Nicht Maschinen, Technik oder Besitz entscheidet vielfach über unternehmerischen oder persönlichen Erfolg, sondern wie Menschen und Unternehmen mit ihrem Wissen umgehen.
Wissen war in früheren Epochen in der Regel nur privilegierten Schichten zugänglich. Heute ist das anders. Die wichtige Ressource Wissen steht grundsätzlich allen Interessierten zur Verfügung. Mehr noch: Unsere Kultur hat sich zu einer Gesellschaft entwickelt, die ihr wirtschaftliches Fortkommen über die Weitergabe und -entwicklung von Wissen sichert. Dass wir heute in einer Wissensgesellschaft leben, liegt auch daran, dass sich die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien sehr schnell entwickelt haben. In der Folge wurde Wissen immer schnelllebiger, weniger gebunden an bestimmte Medien und besser erreichbar, aber auch flüchtiger. „Da habe ich neulich einen interessanten Artikel im Internet gefunden, wo war der nur gleich? Unter welchem Lesezeichen habe ich den gespeichert? Und wenn ja, ist er nach 1 Woche noch so bedeutend, wie ich beim ersten Lesen dachte.“ Das ist eine typische Erfahrung, die der ein oder andere vielleicht öfter macht – beim Sichten und Sammeln von Informationen und Wissen.
Wissensmanagement ist an und für sich nicht mit komplexer Technologie und aufwändigen IT-Systemen verbunden. Im Kern geht es um etwas ganz anderes.
Es geht nicht um große IT-Systeme mit großem Speicherbedarf, es geht nicht um die neueste Software oder schicke Social Media Tools, um flüchtige Informationen festzuhalten oder zu bewerten.
Für Ihr persönliches Wissensmanagement machen Sie sich zu allererst Gedanken über das Dokumentieren und Managen Ihrer eigenen, ganz persönlichen Daten und Informationen, bevor Sie beginnen, Informationen über Unternehmen und Institutionen zu archivieren. Versuchen Sie mal, alles festzuhalten, was Ihnen persönlich wichtig erscheint – wichtig nur für Sie selbst. Alles, was Sie gelernt haben, was Sie planen, was Sie tun und was sie getan haben. Wie oft haben Sie aufgrund einer guten Idee ein Konzept begonnen, aber dann doch nie fertig gestellt? Doch bestimmt stecken einige wertvolle Gedanken darin, die wieder verschwinden, weil der rechte Zeitpunkt oder der rechte Antrieb fehlte?
Wissen ist nicht nur das explizite Wissen, was wir uns gezielt über Seminare, Bücher und andere Weiterbildungen aneignen. Es ist zu einem großen Teil das implizite Wissen, das entsteht, ohne dass wir es merken. Indem wir Dinge miteinander verknüpfen, die wir zu unterschiedlichen Zeitpunkten an unterschiedlichen Orten gelernt haben entsteht ein ganz persönlicher und individueller Erfahrungsschatz. Es lohnt sich, sich hin und wieder dafür Zeit zu nehmen, all das gelernte, gehörte, gelesene zu prüfen, zu hinterfragen und auch miteinander zu verknüpfen.
Erinnern Sie sich, wie Sie als Kind gerne in Kisten auf dem Speicher und im Keller gestöbert haben? Längst vergessenes tauchte in diesen Schatzkisten wieder auf. Im Licht der „Wiederentdeckung“ bekam auch so manches Foto oder Buch, so manches Kunstwerk oder Spielzeug eine ganz neue Bedeutung. Sie erinnerten sich an Dinge, die längst verloren und vergessen geglaubt waren – und Sie haben sich gefreut – über die Erinnerungen und über die vielen Kleinigkeiten, die Ihnen zu den wieder gefundenen Schätzen einfielen. Und auch das ein oder andere wertvolle Stück war sicher dabei. Längst vergessen, aber noch vor einiger Zeit dringend gesucht und benötigt. Und jetzt liegt es da in der Kiste, strahlt Sie an mit all seinen noch ungenutzten Möglichkeiten. Schatzkisten sind doch etwas wunderbares.
Genau so kann es mit Ihrem Wissen sein. Gesammelte Wahrheiten, Erkenntnisse und Ideen, die nur darauf warten, (wieder) zur Geltung zu kommen. Sammeln Sie ihr Wissen ruhig, denn irgendwann später werden sie sich über diese wertvolle Ressource an Inspiration, Information und Erfahrung freuen, die sie selbst geschaffen haben. Sie können sich nicht vorstellen, welchen Wert es hat, später einmal auf all diese Gedanken, Entscheidungen und Erfahrungen zurückgreifen zu können. Längst vergessene Personen, Lösungen, Möglichkeiten werden so wieder sichtbar und nutzbar.
Irgendwann später werden Sie entdecken, was Sie bereits alles wissen und dass es manchmal nur darauf ankommt, die richtigen Dinge miteinander zu verknüpfen.
Sorgfältig gepflegt ist dies ihre ganz persönliche unschätzbare Quelle an Wissen, die in der Zukunft Früchte tragen wird. Material, um Bücher damit zu schreiben. Material für den eigenen, persönlichen Erfolg.
Wie Sie das machen, ob elektronisch oder mit dem guten alten Tagebuch, das spielt keine Rolle. Systematischer wird es allerdings, wenn Sie sich angewöhnen, diese Informationen regelmäßig in kurzen Abständen zu archivieren. Sie erleichtern sich das wiederfinden.
Ihre Schatzkiste des Wissens wächst mit der Zeit. Bewahren Sie sich das Gefühl des Entdeckens (und Wiederentdeckens), als Sie etwas ganz neues gelernt oder entdeckt hatten. Manche Dinge kann man erst im Laufe der Zeit wirklich schätzen, mit mehr Erfahrung und tieferem Wissen erscheinen manche Wissensquellen später auf einmal in ganz neuem Licht.
Überfordern Sie sich mit Ihrem persönlichen Archivsystem nicht. An manchen Tagen reicht vielleicht ein einzelner Satz und ist immer noch viel besser als gar nichts. An manchen Tagen ist es vielleicht eine Geschichte, eine Anekdote, die Sie erlebt haben oder die sie gehört haben. An manchen Tagen werden Sie noch nicht wissen, warum Sie gerade das aufgeschrieben haben – später werden Sie es wertschätzen.
Das effizienteste Archivsystem steckt sowieso in unserem Kopf: unser Erinnerungsvermögen, das wir anhand von erlebten Geschichten, Erfahrungen ganz leicht aktivieren können.
In diesem Sinne, investieren Sie in Ihr persönliches Wissensmanagement und halten es am Leben, bevor Sie sich in komplexe technische Systeme stürzen.
Über Sigrid Hauer: Sigrid Hauer ist Diplom Betriebswirtin (BA), seit 2006 Geschäftsführerin der EBH GmbH mit Sitz in München.
Als erfahrene Projektleiterin begleitet sie Projekte in der Prozessoptimierung, Wissensmanagement und IT. Zuvor war sie als Berater und IT-Spezialistin im Banken- Security- und Automotive-Umfeld tätig.
Ihr besonderer Schwerpunkt neben dem Projektmanagement ist die Kommunikation in Projekten bzw. Teams und der Einsatz von Storytelling, narrativen Methoden für Unternehmen. Sie ist zertifizierte Teamtrainerin (TMS).
Sie erreichen die Autorin im Internet unter www.consulting4quality.de bzw. über den Blog www.projektgeschichten.de


