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10. Oktober 2009

Das Wolken-Netzwerk ist da!

Gespeichert unter: IT-Schwerpunkt, News u.Wissenswertes — Schlagworte: , , — admin @ 23:36

Schwerpunkt IT-Beratung - von Jörg Osarek

Dieser Artikel wurde im Oktober 2009 in der Cloud geschrieben. Dies erschien mir angemessen im Angesicht der aktuellen Entwicklung. ( http://docs.google.com )

Ich erinnere mich an einen Satz von Sun Microsystems, der mir noch vor einigen Jahren seltsam erschien:

The Network is the Computer.

Dieser Satz wurde bereits Mitte der 1980er Jahre von John Gage, dem fünften Mitarbeiter von Sun Microsystems ( http://blogs.sun.com/jonathan/entry/the_network_is_the_computer ) geprägt, also zu der Zeit, als ich vor meinem ersten Computer, einem C64 saß.

Heute können wir erkennen, wie visionär und wie weit er seiner Zeit (ca. 25 Jahre) voraus war - und wie zutreffend.

Was dieser Satz beschreibt erleben wir derzeit mit der Ankunft des Cloud Computing im produktiven Business-Umfeld. Nicht, dass verteiltes Rechnen, Grid Computing und so weiter etwas neues wäre. Doch inzwischen sind diese Konzepte in der Business-Realität angekommen und sowohl Anbieter als auch Anwender können mit ihnen erfolgreich ihre Geschäfte erledigen und dabei Geld verdienen.

Cloud Computing ist nicht länger ein Experiment einiger Forscher, Spinner und Visionäre, es ist Alltag geworden. Gewiss steckt vieles noch in Kinderschuhen, aber auf unterschiedlichen Ebenen sind Cloud-Computing-Konzepte dabei, in die Pubertät zu kommen, erwachsen zu werden oder wie jetzt ersichtlich wird schon seit einiger Zeit volljährig.

Cloud Computing - beyond the buzzword

Sicher ist es wichtig, das Buzzword Cloud-Computing etwas zu entschlüsseln, denn es steht als Oberbegriff für verschiedene Elemente wie z.B.:

  • Infrastructure Cloud - das Verfügbarmachen von (virtuellen) Ausführungsumgebungen wie Hardware, Rechenleistung, virtuellen Maschinen mit Betriebssystemen und virtuellen Desktops. Beispiel: http://www.flexiscale.com/
  • Platform Cloud - das Verfügbarmachen von Standard-Meta-Software-Systemen wie Datenbanken, Application Servern und darauf aufsetzende Services (PaaS - Platform as a Service) Beispiel Amazon Web Services http://aws.amazon.com
  • Application Cloud - das Verfügbarmachen von ganzen komplexen Applikationen, die auf den beiden erstgenannten laufen und dem Anwender (Business)-Funktionalitäten und Systeme zur Verfügung stellen. (SaaS - Software as a Service) Beispiel: http://www.salesforce.com (SaaS CRM System)

Natürlich könnten wir das Thema noch weiter herunterbrechen oder weitere Elemente finden, doch das soll an dieser Stelle als Einteilung genügen.

Was diese Entwicklungen voranbringen ist die Flexibilität für Unternehmen bezüglich der Variabilisierung ihrer Kosten sowie der Möglichkeit, sich auf sein Kerngeschäft zu fokussieren. Läuft mein Geschäft gut und ich brauche mehr Ressourcen, kann ich als Unternehmer mehr IT-Leistung buchen, läuft es gerade etwas gemächlicher, kann ich IT-Leistung reduzieren.

Ist nun alles gut?

“Alle paar Jahre wird in der IT eine neue Sau durchs Dorf getrieben”. Dieser Satz stammt von einem Moderator einer Veranstaltung, in der es um Business Intelligence in Kombination mit Service Orientierten Architekturen (SOA) ging. Einerseits trifft dies zu und wie uns der Gartner Hype Cycle lehrt, kommt nach anfänglicher Begeisterung (vor allem der Vertriebsbeauftragten der großen Softwarehersteller) die Phase der Ernüchterung, meist gefolgt vom Pfad der Erleuchtung zum Plateau der Produktivität. In meinen mehr als 25 Jahren IT-Erfahrung habe ich vieler solcher Entwicklungen erlebt. Bei den meisten wurden nicht die Möglichkeiten überschätzt, sondern die neuen Probleme, welche diese Möglichkeiten aufwerfen unterschätzt. Oder es wurde einfach ausgeblendet, dass neue Möglichkeiten auch neue Probleme hervorrufen werden. Nach und nach wurde die Euphorie zu mehr oder weniger sachlicher Argumentation ob der Vorteile der neuen Technologie und es entstanden Problemlösungen, best Practices und Adjustierungen an der Technologie - sie wurde einfach reif.

Für das produktive Cloud Computing können wir eine Reihe von positiven Veränderungen erkennen, wie z.B.:

  • Das Unternehmen kann sich mehr denn je auf sein Kerngeschäft konzentrieren.
  • Flexibilität und Skalierbarkeit nehmen deutlich zu.
  • Dadurch kann die Time To Market erheblich reduziert werden.
  • Es entsteht ein dynamisches Kostengefüge entlang der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens, wodurch sich die finanzielle Sicherheit erhöht.
  • Die Komplexität von IT-Systemen kann reduziert oder ausgelagert werden.

Doch mit dieser neuen Wunderwelt entstehen auch Nachteile und neue Probleme:

  • Andere Unternehmen verwalten die Daten - Datensicherheit und Datenschutz stehen in einem neuen Kontext.
  • Das Netzwerk wird zum Single Point of Failure. Wenn das Internet nicht da ist (bzw. kein Zugang besteht), stehen die Anwendungen nicht zur Verfügung.
  • Sensitive Daten werden auch über das Netz übertragen. Security, Verschlüsselung und zusätzlichen Sicherungsmechanismen kommen neue Bedeutung zu.
  • Die Akzeptanz und das Vertrauen der Kunden für das Konzept muss, wo sie betroffen sind, aufgebaut werden.

Wie bei allen neuen Problemen werden dazu bestehende Lösungen weiterentwickelt oder es entstehen neue Lösungen dafür. Somit gehört die zweite Seite der Medaille eben auch dazu.

Was heißt dies für den IT-Berater?

Es wird auch weiterhin lokal betriebene Anwendungen geben, doch der Anteil von Cloud-Anwendungen wird deutlich steigen. Es wird auch Unternehmen geben, die zu 100% auf die Cloud setzen und gerade deswegen erfolgreich sein werden. IT wird Commodity wie Strom aus der Steckdose oder die Versorgung mit dem Telefon. Der IT-Bereich “Internet-Zugang” hat diese Stufe inzwischen erreicht; schnelle Internet-Zugänge egal wo, ob fest installiert oder über mobile Netze zu akzeptablen Kosten sind in den modernen Industrienationen Standard - und dass ich auf einem Standard-Zugangsgerät, wie einem Computer oder einem Smartphone einen Browser habe, ist heute selbstverständlich. Die IT-Anwendungsseite wird dieser Entwicklung folgen. Im Bereich der Standard-Anwendungen Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation ist der Zustand schon erreicht (siehe Microsoft Office Suite, OpenOffice, Google Docs u.v.m.) Wir erleben gerade die Industrialisierung der IT-Branche.

Dennoch sind Spezialisten weiterhin gefragt; allerdings  auf einer veränderten Ebene. Der Bedarf an reinen Technologiespezialisten und reinen Programmierern wird weiter sinken. Es wird zukünftig im Bereich Infrastruktur und Anwendungsentwicklung Bedarf für eine wesentlich kleinere Gruppe an absoluten Top-High-Tech-Spezialisten geben. In den Bereichen Security und Absicherung des sicheren Anwendungsbetriebs wird der Bedarf an Technologen allerdings deutlich wachsen, da die Bedrohungspotentiale sich rasch weiterentwickeln - sei es durch Viren, Malware, Trojaner oder/und gut aufgestellte kriminelle Organisationen, die viel Geld mit Internet-Betrug verdienen.

Die klassischen IT-Berater werden stärker den Fokus auf das Zusammenspiel von Business, Anwendungen und den Menschen, die damit arbeiten sollen legen. Ihre Rolle als Vermittler zwischen den drei Welten wird sich weiter ausprägen. Damit bleiben sie auch weiterhin gefragte Experten, die das Geschäft ihrer Kunden voranbringen. Darüberhinaus wird die Nachfrage nach juristischen Beurteilungen solcher verteilter Systeme einen starken Zuwachs verzeichnen.

Was bringt die Zukunft?

Die Cloud ist mehr als nur ein Hype! Die Cloud bietet neue Möglichkeiten, derer sich das Business bedient. Dadurch entstehen neue Aufgaben, neue Probleme und neue Lösungswege. Die Cloud ermöglicht es, die Informationstechnologie eines Unternehmens neu zu schneiden. Outsourcing (sowie Insourcing durch Standardkomponentenbasierte Cloud-Lösungen) wird erleichtert. Dies wird gesellschaftliche Auswirkungen in großem Umfang haben. Es liegt an uns, ob wir uns schmollend und arbeitslos in die Ecke setzen, oder ob wir die Nase in den Wind stecken und prüfen, wo sich dadurch auch neue Chancen ergeben - und diese sind mannigfaltig. Die Cloud verlagert Komplexität und reduziert sie so auch zum Teil; als Unternehmen kann ich von einem Anwendungsprovider A, der zu unflexibel wird zu einem Anwendungsprovider B wechseln, der moderner und flexibler ist. Natürlich bedeutet dies ein Migrationsprojekt, doch aktuelle Entwicklungen, z.B. die Einfachheit des Importierens und Exportierens von Daten bei salesforce.com in Minutenschnelle geben Anlass zur Annahme, dass auch dies nicht mehr zwingend in teure, komplexe und langwierige Dramen ausartet.
Das Abwehren digitaler Bedrohungen wird ein zunehmend wichtiges Thema werden. So wie heute schon eine ganze Anti-Viren-Industrie im Computerbereich entstanden ist, wird diese viele neue Bereiche abdecken. Sie wird sich zu einem “Gesundheitswesen” für IT-Systeme weiterentwickeln, denn die heute existierenden Viren, Trojaner, Würmer usw. sind erst der Beginn einer Reihe echter künstlicher Lebensformen (Artificial Life oder ALife), die sich im Cyberspace entwickeln und teils kontrolliert (durch die Bösen), teils unkontrolliert (wie die entlaufenen Kaninchen in Australien) verbreiten werden. Möglicherweise werden wir wie heute in der biologischen Schädlingsbekämpfung auch nützliche künstliche Lebensformen freisetzen, welche die schädlichen jagen. Beide werden sich evolutionär weiterentwickeln. Somit entsteht eine neue Stufe eines elektronischen Gesundheitswesens.
Schließlich wird die Cloud oder bessergesagt die vielen Clouds, die wir heute aufbauen, der Lebensraum sein, in dem sich die ersten echten künstlichen Intelligenzen (KI oder AI) entwickeln. Damit meine ich nicht von Menschen geschriebene Programme, sondern komplexe digitale Gebilde, die ihre neuronalen Netzwerke durch echtes Lernen und Begreifen ausgebildet haben, denen wir vielleicht die Architektur eines digitalen Gehirns mitgegeben haben. Wer sollte so etwas tun? Nun, nicht die Einzige aber eine prominente Persönlichkeit lässt sich hier zitieren: “What we really want to do at Google is create an AI.” (Larry Page, Mitbegründer von Google). Aber das ist eine andere Geschichte.

Somit werden die nächsten Jahre und Jahrzehnte eine spannende und aufregende Zeit in der Menschheitsgeschichte, die als Herausforderung für uns alle bereithält, uns mental und in unserer Persönlichkeitsentwicklung darauf vorzubereiten. Bei all diesen Veränderungen, die vielleicht manchen Menschen Angst machen, sollten wir uns den Spaß, unsere Lebensfreude und unsere Menschlichkeit dabei bewahren.

Bad Homburg (und gleichzeitig irgendwo in der Cloud), 10. Oktober 2009
Ihr Jörg Osarek

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